August 30, 2018

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Heute möchte ich Dir mein Interview mit Christofer Bolwin, Sozialtherapeut Sucht DRV und Schuldnerberater im Caritas Mainz e.V. präsentieren.

Es war ein wirklich interessantes und aufschlussreiches Interview. Schau es Dir an und hinterlasse gerne einen Kommentar.
In diesem Interview erlangst Du einen Einblick in das Thema Sucht und kannst es mit den Augen eines Menschen sehen, der Tag täglich mit süchtigen Menschen zu tun hat und ihnen hilft.

Legen wir direkt los mit der ersten Frage.

Mo von Glückszone: Was ist Ihre Funktion im Caritasverband Mainz?

Christofer Bolwin: Ich bin Angestellter im Caritasverband Mainz e.V. und habe da die Fachstelle Glücksspielsucht.

Mo von Glückszone: Was für eine Ausbildung haben Sie durchlaufen, um hier bei der Caritas zu arbeiten?

Christofer Bolwin: Von der Grundausbildung bin ich Dipl. Sozialpädagoge. Im Laufe der Jahre habe ich Weiterbildungen absolviert, unter anderem auch die Weiterbildung zum Sozialtherapeuten Sucht und die Weiterbildung zum Schuldnerberater.

Mo von Glückszone: Wie lange arbeiten Sie bereits im Bereich der Suchthilfe?

Christofer Bolwin: Ich arbeite in dieser Fachstelle seit es diese 15 Fachstellen in Rheinland-Pfalz gibt- seit 10 Jahren also und bin zuständig für Personen, die ihren Wohnsitz in der Stadt Mainz haben.

Mo von Glückszone: Was haben Sie vorher gemacht?

Christofer Bolwin: Ich war in der Kinder- und Jugendhilfe tätig.

Mo von Glückszone: Okay, dann jetzt vielleicht Mal ein bisschen mehr ins Detail. Was ist Sucht allgemein?

Christofer Bolwin: Gut, es gibt eine interessante, allgemein gültige Definition von Sucht:
„Sucht“ umschreibt einen Zustand, der es dem Einzelnen nicht möglich macht, frei über seine Handlungen zu entscheiden. Dazu gehört das zwangsweise Wiederholen von Handlungen, einhergehend mit einem Kontrollverlust.

Mo von Glückszone: Okay, was ist Glücksspielsucht speziell?

Christofer Bolwin: Glücksspielsucht bezeichnet Spielabhängigkeit oder Spielsucht und kennzeichnet sich durch die Unfähigkeit des Betroffenen, dem Impuls zum Glücksspiel oder zum Wetten widerstehen zu können. Auch wenn das gravierende Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld nach sich ziehen würde oder schon nach sich gezogen hat.

Mo von Glückszone: Ab wann würden Sie sagen, ist man glücksspielsuchtgefährdet?

Christofer Bolwin: Glücksspielsuchtgefährdet ist man, wenn der Gedanke, dieser Impuls spielen gehen zu müssen, immer mehr Raum im Leben eines Betroffenen einnimmt und diesem Gedanken alles Weitere mehr und mehr untergeordnet wird.

Mo von Glückszone: Ab wann ist man dann wirklich glücksspielsüchtig?

Christofer Bolwin: Glücksspielsüchtig ist, wenn man sich diesem Impuls, spielen gehen zu müssen, hingibt, ihm nicht widerstehen kann, sondern ihm vielmehr noch weiter nachgeht, auch wenn bereits negative Konsequenzen eingetreten sind: familiär, persönlich oder beruflich.

Mo von Glückszone: Gibt es einen gewissen Spielertyp? Also welcher Typ Mensch wird oder tendiert eher dazu spielsüchtig zu werden? Kann man das irgendwie eingrenzen?

Christofer Bolwin: Von der Glücksspielsucht kann jeder betroffen sein, unabhängig von seiner persönlichen Herkunft, unabhängig von seinem Charakter, von seiner Persönlichkeit. Es ist, wie bei anderen Süchten auch bekannt, dass von einer Sucht im Grunde jeder ergriffen werden kann.

Mo von Glückszone: Was sind denn erste Maßnahmen, die man ergreifen sollte, wenn man merkt, dass man spielsüchtig ist oder Gefahr läuft, in die Sucht abzurutschen?

Christofer Bolwin: Die erste Maßnahme, die man für sich ergreifen kann, ist, dass man versucht, sich mit seiner Problematik auseinanderzusetzen, mit der eigenen Situation. Dass man realisiert, dass das Spielen im Grunde genommen immer mehr Raum im eigenen Leben einnimmt. Sich negative Konsequenzen vergegenwärtigt und versucht, beispielsweise über Informationsbeschaffung, über Google, sich Hilfe zu holen. Indem man sich zum Beispiel ganz einfach den Begriff „Glücksspielsuchtberatung“ einfach mal googelt.

Mo von Glückszone: Sie haben jetzt Google angesprochen als Informationsquelle. Wo kann man sich ein bisschen spezieller informieren? In einem persönlichen Gespräch zum Beispiel?

Christofer Bolwin: Man kann Personen hinzuziehen, die einem vertraut sind und über seine Problematik reden, und diese Personen können einem dann auch weiterhelfen, im Sinne von „mal gemeinsam versuchen, herauszufinden, wo ist die nächste, für mich zuständige Suchtberatungsstelle“. Wo kann ich mir Hilfe holen-tatsächlich face to face oder eben online.

Mo von Glückszone: Wo gibt es solche Beratungsstellen, die man zum Beispiel auch als Angehöriger eines Spielsüchtigen aufsuchen kann?

Christofer Bolwin: Suchtberatungsstellen gibt es im Grunde in jeder Stadt, in jedem Kreis. Man muss halt nur versuchen, die nächst Zuständige für sich herauszufinden. Beratungsstellen im Allgemeinen sind i.d.R. angesiedelt bei freien Trägern wie bspw. dem Diakonischem Werk oder bei den Caritasverbänden.

Mo von Glückszone: Haben Sie eine Art Handlungsanleitung, wie man sich als Angehöriger verhalten sollte, wenn man merkt, der Bruder, der Sohn, droht jetzt abzurutschen in die Spielsucht?

Christofer Bolwin: In der Angehörigenberatung ist es mit am wichtigsten, die Angehörigen erst einmal aufzuklären über das Krankheitsbild „Glücksspielsucht“; Informationen zu vermitteln und Möglichkeiten an die Hand zu geben, dass die Angehörigen, gestärkt werden, sich abzugrenzen gegenüber der betroffenen Person- das Problem des Betroffenen nicht zum eigenen Problem werden zu lassen. Zu dem können die Angehörigen die betroffene Person mit in das Hilfesystem (Beratungsstellen) vermitteln, wenn diese Person einen Änderungswunsch signalisiert.

Mo von Glückszone: Was hat man denn für Therapiemöglichkeiten als Spielsüchtiger?

Christofer Bolwin: Zunächst einmal ist die Suchtberatungsstelle als erste Anlaufstelle selber wichtig. Das ist der erste Schritt, Beratung einzuholen. Der Beratungsprozess kann auf dieser Ebene schon ausreichen. Wirken bestimmte suchttherapeutische Strategien in der Beratung nicht, kann man mit dem Klienten versuchen zu überlegen, welche weitergehenden Maßnahmen notwendig und möglich sind, dazu gehört dann die Vermittlung in ambulante oder stationäre Fachkliniken.

Mo von Glückszone: Das wäre dann auch die nächste Frage. Wie kann man eine Therapie in Anspruch nehmen? Wie ist der Weg von der Beratung hin zur Therapie?

Christofer Bolwin: Ein Teil des Beratungsprozesses ist, wenn eben diese ersten suchttherapeutischen Strategien nicht gewirkt haben, über die Antragsstellung zu informieren, auf den Weg hinzuführen zur Therapie. Das geht in der Regel über den Rentenversicherungsträger. Da wäre es wichtig, herauszufinden, wer ist der zuständige Rentenversicherungsträger- Land oder Bund, ersatzweise die Krankenkasse für nicht erwerbsfähige Personen. Dort gibt es entsprechende Formulare, die auszufüllen sind. Der Hausarzt hat einen Teil auszufüllen und der Suchttherapeut einen „Sozialbericht“ zu verfassen. Das sind die Bestandteile der Vermittlung.

Mo von Glückszone: Muss man eine Therapie selbst bezahlen oder übernimmt die Krankenkasse da die Kosten für?

Christofer Bolwin: Die Kostenübernahme wird ja erst einmal im Rahmen der Antragsstellung beantragt, beim Rentenversicherungsträger oder eben bei der Krankenkasse, je nachdem, ob die betroffene Person erwerbsfähig ist oder nicht. Nach der Kostenzusicherung hängt dann der tatsächliche Beginn der Entwöhnungstherapie von der „Warteliste“ der Therapieeinrichtung ab.

Mo von Glückszone: Wenn man eine Therapie beendet hat, wie geht es dann weiter?

Christofer Bolwin: Das Gesamtpaket der Suchtberatung und Suchttherapie sieht vor, im ersten Schritt, die Suchtberatung. Im zweiten Schritt, wenn die Suchtberatung nicht ausreicht, die Vermittlung in die Therapie als weiterführende Maßnahme. Und der dritte Bereich ist die ambulante Nachsorge. Das heißt, nach dem therapeutischen Setting, nach der stationären Therapie, finden sich die betroffenen in der Regel dann wieder in der Beratungsstelle ein, um das, was sie in der Therapie erlernt haben, im Alltag weiterführen und stabilisieren zu können.

Mo von Glückszone: Jetzt würde mich persönlich noch interessieren, wer denn alles zu Ihnen zum Gespräch kommt, zum Beratungsgespräch. Welches Geschlecht überwiegend bei Ihnen ist. Wie der Altersdurchschnitt ist? Welche Nationalität am meisten vertreten ist und wie der gesellschaftliche Stand oder Status bei den Leuten ist, die hier her kommen?

Christofer Bolwin: Wir können ja nur die Daten statistisch auswerten, von den Personen, die tatsächlich den Weg zu uns gefunden haben. Der klassische Glücksspieler, zumindest in Rheinland-Pfalz nach der Datenauswertung ist durchschnittlich 30 bis 35 Jahre. Er ist männlich. Er ist Angestellter, alleinstehend, hat eine Verschuldung in Höhe von etwa 20.000 bis 25.000 Euro und von der Nationalität überwiegend Deutscher. Wenn Migrationshintergrund, dann eher aus dem türkischen Raum.

Mo von Glückszone: Wie hoch ist die Rückfallquote nach einer Therapie? Wie viele fallen dann wieder in alte Verhaltensmuster zurück?

Christofer Bolwin: Der „Erfolg“ einer therapeutischen Maßnahme ist immer im Zusammenhang mit einer bestimmten Zeitangabe zu verstehen z.B. „spielfrei“ ein halbes Jahr nach der Beendigung der Therapie, ein Jahr nach Beendigung der Therapie oder fünf Jahre nach Beendigung der Therapie. Erst dadurch lässt sich die Rückfallquote bzw. die „Erfolgsquote“ ermessen: Nach stationärer Beendigung sind nach einem Jahr etwa 60% der Klienten weiterhin spielfrei.

Mo von Glückszone: Das ist ja eigentlich eine ganz ordentliche Quote. Was sollte sich ändern, damit es keinen Zuwachs an Glücksspielsüchtigen gibt? Was könnte der Staat denn dafür tun?

Christofer Bolwin: Wir beobachten seit einiger Zeit einen enormen Zuwachs an Sportwetten: Da denke ich mir, dass da eine gewisse Zurückhaltung im Bezug auf offensive Werbung bei Sportveranstaltungen geboten ist, so dass die Möglichkeit, Sportwetten zu betreiben, nicht auch noch offensiv beworben wird. Das wäre ein erster wichtiger Schritt. Zum Zweiten mehr Informationen zu liefern, dass Glücksspielsucht eine Krankheit ist, eine behandlungsbedürftige Suchterkrankung und nicht etwa irgendwie eine Charakterschwäche einer Person.

Mo von Glückszone: Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft?

Christofer Bolwin: Wenn ich die Zahlen und die Entwicklungen anschaue, nicht unbedingt rosig: Wir haben eine permanente Zunahme an Klientenzahlen, eine Zunahme an der Problematik. Die Klienten werden immer jünger. Aufgrund der Zahlen zum einen, um anderen aufgrund des technischen Fortschritts: Wir haben viele Online-Zugangangsmöglichkeiten hin zum Glücksspiel, zur Glücksspieltätigkeit. Es gibt verschiedene Plattformen für Sportwetten, Livewetten, Casino, Poker, etc.. Man kann sich überall einfach einloggen und muss gar nicht mehr irgendwo in eine spezielle Spielhalle gehen oder in ein Wettbüro, sondern kann das ganz bequem von zuhause oder von unterwegs aus machen- da sind kaum Grenzen und Einschränkungsmöglichkeiten setzbar- auch nicht im Hinblick auf Altersbegrenzungen-Stichwort: Jugendschutz …

Mo von Glückszone: Gibt es sonst noch irgendwas, was Sie zum Thema Glücksspielsucht loswerden möchten?

Christofer Bolwin: Augen auf! Sich selber beobachten und die Zugangsmöglichkeiten, soweit es geht, zu beschränken. Ein Sperrsystem ist wohl einheitlich nicht möglich, aber es reicht schon, in Spielhallen oder in Wettbüros die Ausweispflicht konsequent einzuhalten.

Mo von Glückszone: Vielen Dank für das Interview!

Christofer Bolwin: Gerne!

So das war’s mit dem Interview. Sehr aufschlussreich oder findest Du nicht?

Danke für Deine Zeit!

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Eine Liste mit Anlauf- und Beratungsstellen im gesamten Bundesgebiet findest Du hier.

Über den Autor

Moritz Bickelhaupt

Durch seine eigene Spielsucht begann Moritz damit, sich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung intensiv auseinanderzusetzen. Zunächst beschränkte sich die Arbeit auf die Spielsuchthilfe, doch mittlerweile widmet sich der Autor dem Thema Lebensglück und wie man es erreichen kann. 

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