2. Teil Therapiemotivation: Der perfekte Patient

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Willkommen zum zweiten Teil der Reihe Therapiemotivation. In dem letzten Beitrag habe ich Dir eine Einführung zum Thema Motivation einer Therapie wegen Glücksspielsucht gegeben. Wenn Du den Beitrag noch nicht gelesen hast, empfehle ich Dir, dies nun nachzuholen. Das kannst Du hier tun.

Die Idee für die Reihe Therapiemotivation habe ich aus dem gleichnamigen Buch Therapiemotivation: Widerstände analysieren – Therapieziele klären – Motivation fördern von Dietmar Schulte*

 

Heute geht es um den perfekten Patienten einer Psychotherapie.

Was ist der perfekte Patient?

In diesem Zusammenhang wird von dem YAVIS-Patienten gesprochen. YAVIS ist ein Bündnis von Eigenschaften, die der perfekte Patient einer Psychotherapie hat. Diesen Begriff beschrieb Schofield bereits 1964. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, kannst Du dies hier tun.

YAVIS steht für

Y: Young

A: Attractive

V: Verbal

I: Intelligent

S: Successful

Der Begriff des YAVIS Patienten wurde im Deutschen noch mit Merkmalen oder Eigenschaften ergänzt, die ein Patient, wünschenswerter Weise, während einer Therapie an den Tag legen sollte. Hier ist von dem MAVEZ-Patienten die Rede.

MAVEZ steht für

M: Motiviert

A: Aenderungsbereit

V: Vertrauensvoll

E: Engagiert

Z: Zuversichtlich

Diese Eigenschaften würde der perfekte Patient einer Psychotherapie haben und die Therapie so zu dem bestmöglichen Ergebnis kommen.

Doch leider ist dies in der Praxis nicht sehr häufig der Fall und die Patienten lehnen eine Behandlung oft ab. Sie glauben nicht an den Erfolg einer Therapie, misstrauen dem Therapeuten und sabotieren den Therapieerfolg. Sie erfahren keine Hilfe bei Spielsucht, da die Motivation einer Behandlung nicht groß genug ist. Es kommt zum Widerstand gegen die Therapie und oftmals geben die Therapeuten auf. Der Patient lehnt jegliche Zusammenarbeit ab und verweigert seine Mitarbeit. Doch ohne die Mitarbeit des Spielsüchtigen ist eine Spielsuchttherapie sinnlos.

Wie äußert sich Widerstand gegen eine Therapie?

Nach Caspar & Grawe, 1981, S. 351 kann sich Widerstand gegen eine Therapie folgendermaßen äußern:

  1. Verstöße gegen Grundregeln der Therapie.
  2. Ständiges Vermeiden, Umgehen oder sprachlich gezwungenes Umschreiben bestimmter Schemata.
  3. Lang anhaltender Smalltalk.
  4. Vermeidung von subjektiv Bedeutsamem.
  5. Vermeidung von Nachdenklichkeit.
  6. Auffallend langes Schweigen.
  7. Auseinanderfallen von Inhalten und Affekt.
  8. Gebrauch von Klischees, um emotionale Beteiligung zu vermeiden.
  9. Vergessen von Material.
  10. Gähnen des Patienten.
  11. Kurzdauerndes Einschlafen.
  12. Auffallende Körperhaltung.
  13. „Türpfosten-Bemerkungen“, d.h. Bemerkungen am Sitzungsende zwischen Tür und Angel.
  14. Zuspätkommen.
  15. Versäumen.
  16. Falschdatieren von Sitzungen.
  17. „Fixierung in der Zeit“ (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft ohne gelegentliches Zurückgreifen auf andere Zeiträume).

Nach Otani, 1989 äußert sich Widerstand folgendermaßen:

  1. Quantität der sprachlichen Äußerung (z.B. Schweigen anhaltendes Reden).
  2. Inhalt der Nachricht (zum Beispiel Smalltalk, haften am Symptom, haften an der Zukunft oder Vergangenheit).
  3. Kommunikationsstil (z.B. „Ja, aber“-Haltung, Vergessen von Unterlagen).
  4. Einstellung zum Therapeuten und den therapeutischen Sitzungen (z.B. Termine nicht einhalten, Rechnungen nicht bezahlen).

All dies sind Eigenschaften und Verhaltensweisen, die dem Erfolg einer Therapie im Wege stehen. Eine psychische Erkrankung benötigt die Mitarbeit des Patienten, ohne die ein Erfolg gänzlich ausbleiben würde.

Was macht den Erfolg einer Therapie aus?

Schulte, 1996 spricht von einem sogenannten Basisverhalten des Patienten. Dieses Basisverhalten kann man in drei Kategorien einteilen:

Therapienachfrage: Der perfekte Patient beginnt aus eigenem Antrieb eine Therapie. Er will sich helfen lassen und erkennt seine Krankheit an. Er will den Ursachen für seine Glücksspielsucht auf den Grund gehen. Doch in Wahrheit ist der Weg hin zur Therapie oft ein anderer. Der psychisch Erkrankte braucht in der Regel 7 Jahre, bis er sich in Behandlung begibt (Meyer, Richter, Grawe, Graf v.d. Schulenberg & Schulte, 1991). Oftmals braucht der Süchtige eine lange Zeit, um seine Sucht erst einmal als solche anzuerkennen. Dann versucht der Süchtige auch oft zunächst die Symptome selbst zu behandeln und die Probleme selbstständig in den Griff zu bekommen. Erst danach beginnt der Süchtige über eine Psychotherapie nachzudenken. Der notwendige Impuls kommt dann durch den Hausarzt, die Angehörigen oder die Freunde. Ein Mangel an Informationen kann auch dazu führen, dass eine Therapie nicht in Anspruch genommen wird.

Mitarbeit: Die Mitarbeit an einer Psychotherapie lässt sich wiederum folgendermaßen unterteilen 1. Bereitschaft: Ist die Akzeptanz einer psychotherapeutischen Behandlung. Eine mangelnde Bereitschaft äußert sich durch aktiven Widerstand, wie ein in Frage stellen des Therapeuten und passiven Widerstand wie Schweigen (Beutler, Moleiro & Talebi, 2002a). 2. Engagement: Ist das aktive Mitarbeiten des Süchtigen an einer Therapie. Dieses aktive Mitarbeiten führt dazu, dass der Patient die Therapie seltener vorzeitig abbricht (Heine & Trosman, 1960). 3. Selbstöffnung: Ist die Bereitschaft, sich dem Therapeuten zu öffnen.

Umsetzung: In der Verhaltenstherapie werden Methoden und Übungen durchgeführt, die der Patient dann in Eigenregie zu Hause weiterführen und verinnerlichen sollte.

Dieses Basisverhalten sorgt dafür, dass der Erfolg einer Therapie größtmöglich ist. So kann der Süchtige, angeleitet durch einen Therapeuten, Selbsthilfe bei Spielsucht erlernen. Sollte der Patient ein solches Basisverhalten nicht an den Tag legen, ist es an dem Therapeuten dies zu fördern. Hierfür hat jeder Therapeut eigene Verfahren entwickelt, die individuell an jeden zu Therapierenden angepasst werden müssen. Eine medikamentöse Behandlung bedarf nur der Bereitschaft, des Erkrankten, die Medikamente einzunehmen. Eine Verhaltenstherapie ist von der Mitarbeit und der Bereitschaft des Erkrankten abhängig. Im nächsten Beitrag widme ich mich der Frage, wie genau dieses Basisverhalten gefördert werden kann. Bei Fragen nimm gerne Kontakt zu mir unter info@glueckszone.de auf.

Solltest Du eine Diagnose wegen Deiner Spielsucht benötigen, dann schaue Dir diesen Blogbeitrag an. Glücksspielsucht wird oftmals von Depressionen begleitet. Sollte dies bei Dir der Fall sein, ist eine Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten sinnvoll. Dort können mehrere Erkrankungen und Krankheiten gemeinsam therapiert werden. Eine Auflistung von Therapeuten findest Du hier.

Wenn Du Dich mit Gleichgesinnten austauschen möchtest, empfehle ich Dir meine Facebook Selbsthilfegruppe. Aus eigener Erfahrung mit meiner Automatensucht kann ich Dir sagen, dass der Austausch mit anderen Spielsüchtigen enorm hilfreich ist und Du von Ihnen auch Tipps erhältst, wie Du Selbsthilfe bei Glücksspielsucht optimal erlernst.

Schaue Dir auch meinen Ratgeber „Glück findest Du nicht am Automaten – Deine Schritt für Schritt Anleitung aus der Spielsucht“ an. In diesem Ratgeber zeige ich Dir, wie ich es geschafft habe, spielfrei zu werden und auch zu bleiben. Lass Dir von mir helfen. Gehe hierzu auf die Rubrik Spielsuchthilfe auf der Startseite.

Was motiviert Dich, eine Therapie zu beginnen?

An dieser Stelle möchte ich Dir anbieten, dass wir uns persönlich kennenlernen. In einem 30 minütigen kostenlosen Erstgespräch besprechen wir alles weitere. Außer 30 Minuten Deiner Zeit hast Du nichts zu verlieren. Wenn ich Dir helfen kann, dann sind 30 Minuten doch ein gutes Investment oder etwa nicht? Hier kannst Du Dir direkt einen Termin buchen.

Hier findest Du Soforthilfe bei Spielsucht:

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